Updated 06.09.2008 (....Teil 3)
Mittwoch, 13.08.2008:
Wir treffen uns am Düsseldorfer
Flughafen, wo wir ein letztes
deutsches Bier nehmen. Brasilianisches schmeckt auch gut, man trinkt es
nur deutlich kälter. Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf,
als wir den Duty Free-Bereich betreten haben und anstatt das von
unseren
brasilianischen Freunden gewünschte Mitbringsel noch in
Düsseldorf zu kaufen, beschließen, dies auf dem
Zwischenstopp in Madrid zu tun. Schließlich haben wir dort
zwei Stunden Aufenthalt – aber in Spanien gibt es jede Menge
spanischen Schnaps, aber natürlich keinen
Jägermeister. Warum auch - ist ja deutsch... Gut, dass wir
Touristen sind
– da dürfen wir auch klassische Touristen-Fehler
machen, haha. Also, keinen Jägermeister in Brasilien trinken
(wir persönlich finden das eh irgendwie besser so).
Der Flug ist ziemlich unspektakulär. Gesagt werden muss aber,
dass Iberia wahrlich eine fürchterliche Fluglinie ist.
Schlechter Service und ein kurz angebundener Captain: seine einzigen
Worte vor den regelmäßig auftretenden Turbulenzen:
„Fasten your seat belt“ – ein Mann des
Wortes war er wahrlich nicht. Und das Flugzeug war auch eher alt. Naja,
immerhin servieren die Spanier die ganze Zeit Kaffee – das
ist ja auch dringend nötig bei einem Nachtflug, auf dem man
eigentlich nur schlafen will! Die 100€, die die Lufthansa mehr
genommen hätte, wären jedenfalls sehr gut
investiert gewesen…
Donnerstag 14.08.2008:
Freund Edu holt uns am Flughafen ab, nachdem
er anderthalb Stunden auf
den verspäteten Flieger warten musste (vielen Dank nochmal an
Iberia!). Schnell unser Zeux in den Van gepackt und ab nach Santo
André, wo Freund André wohnt. Unser erster
Eindruck: ist ja gar nicht so warm hier (ist auch
„Winter“ in Brasilien, also 15 Grad "kalt"). Das
erste
Favella sehen wir kurz nach der Abfahrt am Rande der
Flughafen-Autobahn, aber sonst sieht es hier lange nicht so schlimm
aus, wie uns die europäische Südamerika-Panikmache
ständig weiß machen will. Als wir bei
André ankommen, ist große Freude angesagt
– André ist der Sänger der Nitrominds und
er hat uns die Tour gebucht. Außerdem gewährt er uns
für die nächsten zweieinhalb Wochen Asyl in seiner
Wohnung, wo wir nun erstmal versuchen, den Jetlag weg zu schlafen.
Nachmittags versuchen wir, in Sao Paulo den gewünschten
Jägermeister für Piui, den Roadie der Nitrominds, zu
kaufen – natürlich ohne Erfolg. Hätten wir
es wissen müssen? Piui nennen eigentlich alle
„japanese“, denn er ist japanischer Abstammung. Im
Übrigen ist er Anti-Vegetarier (er ist nur Fleisch und Brot,
auf keinen Fall Gemüse oder gar Salat!) –
und das als Roadie einer Band, die zu zwei Dritteln aus Vegetariern
besteht. Wir essen heute
das brasilianische Nationalgericht Bohnen mit Reis, Salat und Pommes,
das wirklich großartig schmeckt und wofür hier ein
großes Dankeschön an André’s
Mutter rausgeht, die uns während der Tour gleich mehrmals
bekocht hat. Eigentlich kommt da wohl noch Fleisch drauf (in Brasilien
isst man eigentlich die ganze Zeit Fleisch – Piui ist also
ein waschechter Brasilianer geworden), André ist aber
Vegetarier und Martaeng ja auch. Und für Frankaeng und mich
ist vegetarisch okay. Abends dann in den Home Pub der Nitrominds, die
„Garage“. Dort treffen wir auch endlich Lalu, den
Bassisten der Nitros, mit dem wir einen
„Pinga“ trinken. Das ist der lokale Schnaps hier,
eigentlich ist es Camchassa, aus dem man auch Caipirinha macht
– hier trinkt man ihn aber pur und aus dem Pintchen.
Irgendwann nach Mitternacht stolpern wir aus der Kneipe –
für uns fühlt es sich aber an wie früh am
Morgen – wir sind wohl immer noch im falschen Zeit-Fenster.
Freitag 15.08.2008:
Sao Bernado, Skate Park & Sao Paulo, Kazebre
Heute ist Tour-Beginn. Nachdem wir den
halben Tag im Bett verbracht
haben, machen wir uns abends auf den Weg zum ersten Gig. Der
Skate-Park, in dem wir spielen, ist größer, als
jeder Skate-Park, den wir in Deutschland je gesehen haben.
Außerdem ist er nagelneu: lauter Ramps und Bowls und hunderte
Kids, die diese auch zu benutzen wissen (Martaeng und Chriskaeng sind
ja damals leider über den „Olli“ und ein
bisschen Downhill fahren nicht hinaus gekommen und sind daher beim
Bass- bzw. Schlagzeugspielen geblieben). Ein paar Kids bleiben auch, um
unseren Gig zu sehen und wir verkaufen später die ein oder
andere CD und geben Autogramme. Das war eine gute Warm-Up-Show, doch
der Knaller folgt sogleich. Am gleichen Abend spielen wir im Kazebre,
der einer der größten Clubs der Stadt ist. Wir
eröffnen für Nitrominds und Dead Fish, die hier beide
ziemlich groß sind, außerdem spielen einige lokale
Bands. Als wir die Bühne, auf der eine Woche zuvor noch CJ
Ramone gestanden hat und auf der eine Woche später Sepultura
spielen werden, betreten, stehen davor ca. 1000 Leute, denen unser
Sound auch durchweg gefällt. Pogo, Stagediving, kreischende
Mädchen – alles dabei…
großartig! Wir sind ziemlich überwältigt
und feiern in diesem Club, der ein Open Air-Club ist, bis wir
irgendwann morgen in’s Bett fallen. Unsere Show war um
Mitternacht, die letzte Band spielte ca. bis fünf Uhr morgens
– in Brasilien gehen die Uhren auf jeden Fall anders! Und
auch Samstags morgens steht man hier im Berufsverkehr und es heulen die
Polizei-Sirenen, die übrigens irgendwie wie Spielzeugsirenen
klingen (wir hörten aber, dass Polizisten hier keine
Spielzeugpistolen benutzen...). Besser konnte die Tour nicht
beginnen.
Samstag 16.08.2008:
Sao Caetano, Cid Do Mundo
Das Cid Do Mundo ist ein kleiner Club mit
einem netten Besitzer und
einer kleinen – wackligen
–, aber feinen Bühne. Wir sind heute Headliner.
Vorher
zwei lokale Bands: Ästerdon und Aqua Pesada. Letztere sind
noch mehr Stoner Rock als wir es je sein könnten. Lauter nette
Leute sind hier, die uns ordentlich abfeiern. Danach noch eine kleine
Aftershow-party in der „Garage“, der Kneipe, in der
wir am Donnerstag schon waren und deren Besitzer übrigens der
Drummer von Musica Diablo ist, dem neuen Projekt von
Nitrominds-André und
Sepultura-Sänger Derrick.
Um
hier mal ein paar Namen zu droppen, haha.
Sonntag 17.08.2008:
São Jose dos Campos, Hoccus Pocus
Sao Jose dos Campos ist 130 km von unserer
Homebase entfernt. Von den
1,5 Millionen Menschen, die dort leben, haben es leider nicht allzu
viele in die Hoccus Pocus-Bar geschafft. Die, die dort waren, haben uns
aber ordentlich abgefeiert. Die lokalen Bands vorher rocken ordentlich
und nicht minder die Nitrominds, die nach uns spielen. Unser Gig ist
musikalisch sicher das bisherige Highlight der Tour. Wir halten diverse
Male unsere Schilder hoch: in Ermangelung irgendwelcher Kenntnisse der
portugiesischen Sprache haben wir nämlich Schilder gemalt, die
besagen, dass wir kaeng! sind („Nos Somos Kaeng!“),
dass wir anstoßen wollen
(„Sáude!“), außerdem
„Yeah!“ und „Vielen Dank“
(Valeu
obrigado!“). Am Ende des Sets spielen wir „Ace of
Spades" und holen dafür die Nitrominds mit auf die
Bühne, um mit uns zu singen– ein großer
Spaß!
So können wir beruhigt den zwei Day Offs entgegensehen, die
nun folgen.
Montag 18.08.2008:
Day Off in Sao Paulo
Wir fahren mit zur Probe von Musica Diablo
und laufen ein bisschen
durch Sao Paulo City. Wir essen in einem Straßenlokal ein
Sandwich, das wir uns sprachlich hart erarbeiten müssen. Vor
allem, welches Brötchen kein Fleisch enthält, ist
schwierig herauszufinden (außerdem ist hier ja auf fast allem
Fleisch – siehe oben…). Nächstes Mal
können wir auf jeden Fall ein paar mehr Wörter
portugiesisch sprechen. Seit heute erscheinen wir auf der Startseite
von myspace-Brasilien und unsere Besucher-Statistik entwickelt sich
rasant. Yeah! Danke an André (auch) dafür!
Dienstag 19.08.2008:
"Beach Day"
Wetterberichte sind für den Eimer.
Für heute waren 30
Grad angesagt, die nach dem Aufstehen in Sao Paulo auch herrschten.
Niemand konnte wohl ahnen, dass es anders sein würde an dem
40km entfernten Strand (gefühlt waren es 150km –
brasilianische Autobahnen sind schon ein anderes Pflaster als deutsche
– trotz allem muss man für sie bezahlen). Wir fahren
vorbei an mehreren Favellas (genau genommen fahren wir fast durch sie
durch, denn sie grenzen unmittelbar an die Schnellsraße
– schon ein bisschen scary!) und kommen schließlich
am Strand an, wo wir den ganzen Nachmittag lang Shrimps essen und ein
paar Biere trinken. Nur im Wasser waren wir nicht, aber das Wetter war
eher kalt und ungemütlich. Wie gesagt:
Wetterberichte…
Teil 2: (updated 25.08.2008)
Dienstag 19.08.2008:
Heaven & Hell
Des Fleischessers Himmel ist des Vegetariers
Hölle Wir gehen abends traditionell brasilianisch essen.
Rodizio
muss man sich so vorstellen: im Minutentakt kommen Kellner mit riesigen
Fleisch-Spießen an den Tisch und schaufeln gegrilltes Fleisch
verschiedenster Tiere auf den ohnehin schon vollen Teller. Dazu
Caipirinhas und das Ganze gibt’s zum Festpreis.
„Hurra!“ frohlocken die Fleischesser unter uns,
wohingegen
die Vegetarier sich an dem – nicht minder üppigen
–
Salatbuffet laben. Völlig überfressen fallen wir
in’s
Bett und träumen von gebratenem Fleisch bzw. von Bergen aus
Gemüse und Salat.
Mittwoch 20.08.2008:
Santo André, Canja Com Canja
Heute
mal ein kurzer Weg: die Canja
com Canja ist die Stadthalle von Santo André und ca. 10
Minuten von der Basis
entfernt. Nachdem wir eigentlich den ganzen Tag lang nur „My
Name is Earl“
geguckt haben (was für eine großartige Serie!) und
abends im Venue ankommen,
haben wir keinen Schimmer, was hier nachher passieren wird –
kommen da Leute
hin? Ja, zu späterer Stunde scheint es, als ob
ungefähr drei Viertel der Stadt
den Raum belagern. Das Konzept ist: hier können Bands aller
Musikrichtungen
spielen. Nach einer HipHop-Band und einem DJ mit MC’s spielen
wir und nach uns
noch „Zeemer“ aus Santo André. Danach
eine weitere Aftershowparty in der
„Garage“-Bar, die inzwischen so eine Art zweite
home base ist. Allerdings
kämpfen auch der Van und die 24-Stunden-Bäckerei
darum, von uns so genannt
werden zu dürfen. In Letzterer landen Martin und Chris am Ende
für den letzten
Burger und das finale Bier.
Donnerstag 21.08.08:
Werbung und Wahlkampf
Die
erste Tageshälfte gehört mal
wieder Earl: inzwischen sind wir bei der zweiten Staffel angekommen.
Ist auch
nicht so viel zu tun und zu berichten heute. Auf dem Weg zum
„Manifesto Club“,
wo wir heute spontan auf der Party des Musikmagazins
„revista77“ spielen (wo
aber nicht wirklich viel los ist und wo wir beinahe noch unser
Mineralwasser für
die Bühne selbst bezahlen müssen…),
erfahren wir, wie Wahlkampf und Werbung in
Brasilien funktionieren: mehrmals treffen wir auf Autos, auf die
riesige
HiFi-Boxen und Werbeschilder montiert wurden und die die ganze
Straße
beschallen. Und tanzende
junge Frauen
tanzten vor uns auf einem LKW - im Rahmen des hier gerade
stattfindenden
Wahlkampfes. Sowas hätten wir gerne mal in
Deutschland…
Freitag 22.08.08:
Sao Paulo, Club Belfiori
Das
Belfiori ist ein ziemlich großer
Club. Als wir um 2 Uhr spielen, sind auch über hundert Leute
da. Wir sind die
einzige Band des Abends, davor und danach ist Disco. Wir geben im
Backstage
noch ein kurzes Interview für Crash TV, bevor wir die
Bühne betreten. Nichts zu
meckern hier – die Leute mögen unsere Show. Wir
machen recht bald danach (also,
etwa um 4 Uhr morgens) auf den Weg zur Basis, da wir am
nächsten Tag die lange
Fahrt nach Rio vor uns haben. Vorher erfährt ChrisKaeng noch,
warum es Sinn
macht, nicht Coca Cola, sondern Coke zu bestellen. Coca Cola hat er
bestellt
und nur das wollte er haben – aber die Musik war wohl so
laut, dass der
Barkeeper Wodka Cola verstand. Das komplett mit Eiswürfeln
(und Wodka – aber
das war ihm nicht bewusst…) gefüllte Glas
lässt Chris aber stehen, denn – so
lehrt uns der Touristenführer – Eiswürfel
sollte man als Europäer in Südamerika
besser meiden, man trinkt ja auch kein Leitungswasser. Tja, Wodka weg
und
danach die Frage, wer ihn überhaupt getrunken hat (und wer ihn
bezahlt). Naja,
alles löst sich in Wohlgefallen auf und Chris bestellt ab
jetzt nur noch Coke,
um Verwechslungen auszuschließen. Wir beschließen,
den Abend in der 24-Stunden-Bäckerei
zu beenden. Unsere brasilianischen Freunde bringen uns allerlei
brasilianische
Schweinerein näher: Chicken Pie (ja, richtig: ein Kuchen mit
Hühnerfleischfüllung!), außerdem Cuchina
(wir glauben, man schreibt es so…),
eine frittierte Mischung aus Kartoffelbrei, Käse und
Hühnerfleisch, die den
Fleischessern großartig schmeckt (während die
Vegetarier bei ihrer Bestellung dem
Verkäufer versuchen, klar zu machen, dass auch Huhn und Fisch
letztlich Fleisch
und somit aus dem Rennen sind – verzweifelte
Versuche…). Wir erfahren, dass es
Bier hier nachts nur in Dosen gibt und können auch nach
mehrmaligem Durchdenken
keinen Sinn in diesem Gesetz finden. Außerdem räumen
wir mit dem Mythos auf,
dass alle Deutschen warmes Bier trinken. Naja – so kalt wie
die Brasilianer
trinken wir es ja tatsächlich nicht. Mehrmals bekamen wir es
gefroren serviert.
Dann sind wir ready for Rio de Janeiro!
Samstag
23.08.08:
Sao Goncalo (Staat Rio de Janeiro),
Bar Do Blues
Wir erwachen später als geplant,
wir fahren später los als geplant – und wir fahren
lang. Als wir irgendwann
gegen 19 Uhr ankommen, ist der Veranstalter noch nicht da und wir
warten
erstmal. Dann stellt sich raus, dass unser Hotel noch nicht gebucht
ist. Wir
spielen gegen Mitternacht, die Nitrominds nach uns und wir denken, das
waren
dann die Headliner, aber nach uns spielen noch mindestens drei weitere
Bands.
Bevor das Konzert gegen wahrscheinlich 8 Uhr morgens endet, sind wir
schon im
inzwischen doch gebuchten Motel. Wie sich rausstellt, ist der Begriff
des
Motels in Brasilien anders zu verstehen, als etwa in den USA. Sagen wir
so: wir
haben uns nur Bier und einen Sandwich liefern lassen, aber wir
hätten auch ein
zweites Kopfkissen bekommen können. We are good boys.
Sonntag 24.08.08:
Rio de Janeiro, Audio Rebel
"Dat soll Rio sein? – dat hätt ich
mir aber größer vorgestellt!“ Erinnert
sich irgendjemand an dieses Zitat aus
dem Otto-Film? Jede Fiktion hat etwas Wahres: Rio ist zwar nicht klein,
aber
diese Jesus-Statue, die im Fernsehen immer riesengroß
aussieht, ist lange nicht
sooo groß, zumindest nicht von unten. Von oben wahrscheinlich
schon, aber wir
haben keine Zeit, auf den Berg zu fahren. Stattdessen geben wir
Nitrominds-Drummer Edu die Videokamera, da er vorne im Van sitzt und
somit die
optimale Position hat, um Jesus zu filmen und so unseren
Touristen-Pflichten
nachzukommen. Was wir vergessen haben: Edu ist Schlagzeuger.
Schlagzeuger und
Elektronik – das kann ja nichts werden. Edu filmt und filmt,
allerdings ohne
den roten Aufnahme-Knopf zu drücken. Als wir es bemerken, sind
wir schon so
weit gefahren, dass Jesus nicht mehr zu sehen ist – schade,
schade. Naja,
wenigstens haben wir die Kamera nicht unserem
Drummer gegeben – der hätte sie wahrscheinlich noch
nicht einmal anschalten
können. Wir fahren erstmal an den Strand, es ist nicht die
Copacabana, aber der
nächstgelegene, trinken Kokusnusswasser direkt aus der
Kokosnuss und gucken
wahlweise auf’s Meer oder den Zuckerhut, der hinter uns
steht. Heute müssen wir
tatsächlich mal früher im Venue sein – im
Audio Rebel ist um 22 Uhr Schluss mit
Live-Musik – geradezu deutsche Verhältnisse hier! Um
18 Uhr beginnt das Konzert
mit zwei lokalen Bands, dann wir und die Nitrominds. Es ist ein netter
Laden,
bestehend aus CD-Shop und Proberäumen und eben dem Konzertraum
ganz hinten. Die
Show ist zwar nicht ausverkauft,
aber die Leute, die gekommen sind, feiern uns ordentlich ab, wir singen
mal
wieder Ace of Spades, zusammen mit den Nitrominds (nach neun Shows kann
unser
Drummer, der den Song singt, nun auch alle Lyrics… ach,
diese Schlagzeuger).
Bassist Maetis vergisst zum wiederholten Mal das „Danke
& Auf Wiedersehen“-
Schild (ach, diese Bassisten… nächstes Mal ist er
wieder für „Prost“ und
„Yeah“
zuständig) und Frontmann Frank will eigentlich noch ein Bier
trinken, es gibt
aber schon während der Nitrominds-Show keins mehr im ganzen
Club. Naja, wir
müssen eh schnell in den Van steigen und fahren noch heute
nacht wieder zurück
an die Basis in Santo André/Sao Paulo. Frank bekommt ein
Bier, schläft aber
–ebenso wie Martin und Chris– schon bei der
Hälfte des „Big Lebowski“ ein. Nach
ca. fünf Stunden Fahrt erreichen wir irgendwann morgens die
Basis und fallen
in’s Bett. Vielen Dank an Veranstalterin Daisy, die das
bisher am perfektesten organisierte
Konzert hingelegt hat (ja, wir Deutschen mögen es eben doch
gut organisiert…).
So, let’s call it a day, dudes…
Teil 3: (updated 04.09.2008)
Dienstag, 02.09.08
Rückflug
Nein, wir haben uns nicht vertan – die chronologische Abfolge
des
Tourtagebuches wurde soeben über den Haufen geworfen. Nach
weiteren zehn Stunden Flug mit unserer Lieblings-Airline Iberia (erneut
mit „großartigem“ Service von sehr
freundlichen
Flugbegleitern… und mit einem Frühstück,
das zum
Abgewöhnen schmeckt) sitzen wir am Flughafen von Madrid und
warten
auf unseren Anschlussflug nach Düsseldorf, der – wen
würde es wundern… – zwei Stunden
Verspätung hat.
Mehr Zeit also, auf die letzten Tage dieser großartigen Tour
zurück zu blicken…
Montag 25.08.08:
UpTV
Heute kein Gig, aber eine Fernsehshow.
Nachdem wir uns mehrfach
geschworen haben, heute mal nichts zu trinken, fahren wir abends zum
lokalen Sender „Up TV“, wo wir eine Stunde lang vor
dem Studio warten. Immer wieder heißt es „in zehn
Minuten beginnt das Interview“, aber es sind wohl zehn
brasilianische Minuten. Die Show ist aber sehr gelungen –
über eine Stunde lang, mit einer Menge e-mail-Fragen von
Zuschauern, die wir in englisch beantworten und von
Nitrominds-André ins Portugiesische übersetzt
werden. Ziemlich cool! Darauf gönnen wir uns ein Bier und
später einen Whiskey (genau genommen sitzen wir bis 5 Uhr
morgens in der Küche unserer Homebase und haben eine Menge
Spaß, auch mit André’s Freundin Bianca,
die glücklicherweise kein Problem damit hat, dass wir
zweieinhalb Wochen lang ihre Wohnung zerstören – im
Gegenteil: sie hat sogar Spaß daran, uns und sich selbst
abzufüllen – vielen Dank dafür!). Sie ist
übrigens auch verewigt auf der Startseite dieser Homepage.
Dienstag 26.08.08:
Day Off in Sao Paulo
Heute sind wir gute Touristen. Wir fahren
nach Sao Paulo, um zu
shoppen. Die Fahrt dauert etwas länger: wer glaubt, in
Deutschland schon mal so was wie Rush hour oder Stau gesehen zu haben,
den müssen wir leider enttäuschen: so einen Stau wie
in Sao Paulo gibt es in Deutschland nicht. Allerdings werden einem
zuhause auch nicht Getränke und Snacks oder auch aus Bierdosen
selbstgefertigte Aschenbecher durch’s Fenster angeboten,
während man an der roten Ampel steht. Das ist irgendwie
schade. Auch schade ist, dass es bei uns keine nagelneuen Exemplare der
stylischen T2-VW-Busse mehr gibt. Die werden hier nämlich
tatsächlich noch verkauft und produziert – in dem
VW-Werk, das riesig ist. In Sao Paulo dann kaufen wir so viele T-Shirts
und Schallplatten, dass es uns jetzt schon vor der
Kreditkartenabrechnung graut. Es gibt aber auch einfach zu viele coole
Läden in dieser Stadt. Und die Briefpost zuhause muss man ja
nicht öffnen. Kurz bevor wir uns wieder in die Rush hour
stürzen, verkosten wir noch eine brasilianische Offenbarung im
Plastikbecher: frisch gepresster Zuckerrohrsaft mit Limettenscheibe.
Zumindest Chris kann ab jetzt nicht mehr davon lassen. Auf die Frage,
wann den heute Showtime sei, müssen wir uns leider selbst
eingestehen, dass ja off-day ist. Naja, Earl ist ja auch noch da. Und
Bianca sowie André.
Mittwoch 27.08.08:
day Off
Noch ein Day off. Wir beschließen,
uns heute ein Eis zu
backen. Will heißen: wenig zu tun (ein Gang zum Skate- und
einer zum Metal Shop muss an Bewegung reichen) und abends japanisch
Essen zu gehen. Und, ja: beim Japaner gibt es tatsächlich
frittiertes Eis zum Nachtisch. Allerdings sind wir nach dem
hervorragenden Sushi-All You Can Eat schon so satt, dass auch ein
gefrorenes Eis nicht mehr reinpassen würde. So bleibt
gebackenes Eis ein Mysterium für uns. Pflicht ist aber, ein
letztes Bier (jaja – eins…) mit unseren Freunden
in der „Garage“ zu trinken, denn dies ist die
letzte Chance, da wir Donnerstag bis Sonntag wieder spielen und Montag
schon zurück fliegen. „Garagen“-Besitzer
Marcao besteht darauf, dass wir bei der nächsten Tour auch
dort spielen. An uns soll das nicht scheitern…
Donnerstag 28.08.08:
Day off, Travel Day
Wir beschließen einen weiteren
Tag, an dem wir eigentlich
nichts getan haben, mit einem Glas Sekt, um uns von Bianca zu
verabschieden und fahren wir nachts nach Curitiba, wo wir Freitag
morgen ankommen. Wird auch Zeit, wieder los zu fahren – wir
sind ja schließlich zum Spielen hier… Auf dem Weg
kotzt Roadie Puih während der Fahrt aus dem Fenster des Vans
und gibt dem Wagen so einen ganz neuen Anstrich. Wir sind drauf und
dran, die Tour nun „Puky Tour 2008“ zu nennen (erst
recht, als Nitrominds-Drummer Edu sich ein paar Tage später
während der Fahrt
auch erbrechen muss…), können uns aber nicht recht
dazu durchringen.
Freitag, 29.08.08:
Curitiba, 92º
Heute nachts gefahren, dann den ganzen Tag
im Hotel verbracht.
Zwischendurch auf einen Burger in die Stadt, die eigentlich ganz schick
ist. Mit Uni, prämiertem Nahverkehrssystem, einer
Einkaufsstraße, die uns an Düsseldorf erinnert und
mit dem „Schwarzwald-Haus“, einem Restaurant, in
dem Heino läuft und man Haxe und Eisbein mit Sauerkraut essen
kann. Wir beschließen aber, davon abzusehen (weil wir das in
Deutschland besser haben können und weil die vegetarische
Minderheit in der Band so was eh nicht mag) und stattdessen zum Venue
zu fahren. Das 92º ist ein sehr gediegener Laden, in dem
schon solche Größen wie Fugazi, Seaweed und Sick of
it all gespielt haben. Heute spielen vor uns drei lokale Bands, von
denen Strotz heraus sticht: die Band aus einer deutschen
Menuiten-Siedlung mixt deutsche Texte mit einem schrägen Sonic
Youth-Sound. Wir stehen drauf und unterhalten uns später mit
ihnen auf deutsch. Überhaupt steht der Süden
Brasiliens ziemlich unter deutschem Einfluss. Während des
gesamten Wochenendes sprechen dauernd Leute deutsch mit uns und auf der
Autobahn trauen wir unseren Augen nicht, als wir sehen, dass es hier
einen Ort namens Blumenau gibt – kein Scherz! (auch Neu
Hamburg und Neu Freiburg wurden gesichtet). Das Abendessen mit
CousCous, Nudeln, Reis, Salat, Bananen und gar nicht erwarteten
Hähnchenschenkeln, ist heute reichlich und überhaupt
sind die Veranstalter extrem gastfreundlich. Da macht es uns auch
nichts aus, dass alle Bands heute irgendwie deutlich länger
spielen als geplant. Heute verlangen die Leute sogar nach einer Zugabe
von uns (das ist in Brasilien für Bands unserer
Größenordnung tatsächlich nicht
üblich und auch bisher noch nicht passiert). Die Nitrominds
beschließen den Abend. Danach fahren wir über Nacht
weiter nach Circiuma.
Samstag 30.08.08:
Circiuma, Let’s Go Bar
Am Meer entlang fahren wir noch weiter gen
Süden. Wir steigen
aus dem Bus und werden von einigen Konzertbesuchern sofort erkannt
– die Promo bei myspace, MTV und Up TV hat offensichtlich
gewirkt. Heute gibt’s nichts zu meckern: das Essen ist gut,
der Club ist fein und gut gefüllt, die Leute mögen
uns und feiern auch die Nitrominds. Bei Letzteren steht auch unser
Fahrer Joel am Bühnenrand und freut sich. Das wäre ja
nichts Besonders, wenn Joel nicht jenseits der 60 wäre. Auf
jeden Fall ein Original! Der Veranstalter ist ein sehr netter Typ, der
ein bisschen wie Zack de La Rocha aussieht. Definitiv eine der besten
Shows der Tour mit einer Aftershow-Party an einer Tankstelle (an die
sich Drummer Chris nur noch rudimentär erinnern kann
– dabei hat er doch –wie immer!- nur ein Bier
getrunken!). Nur einem Zuschauer müssen wir erst
erklären, dass „Heil Hitler“ mitnichten
die Begrüßung ist, die wir uns vorstellen, als wir
die Bühne betreten. Eine Ansage von Frank und ein Stinkefinger
von Martin sollten eindeutige Antworten gewesen sein. Manche lernen es
nie…
Sonntag, 31.08.08:
Guaramirim, Curupira Rock Club
Die Stadt mit dem unaussprechlichen Namen
entspricht am ehesten dem
Klischee, das man als Deutscher von Brasilien hat. Dass sich hier, in
diesem kleinen Dorf mitten im Wald, ein feiner Rockclub befindet,
hätte niemand gedacht. Wir spielen einen guten Gig, der
anfangs leider etwas im Feedback untergeht. Und wir staunen nicht
schlecht, als ein Zuschauer auf einmal auf die Bühne kommt und
während des kompletten Songs „Decision“
eine Art Ausdruckstanz gepaart mit Handständen
präsentiert. Er stellt sich uns später als
„Bananenmann“ vor und ist hier wohl ein Urgestein.
Wir besteigen den Van und töten die letzten Biere auf dem
langen Weg zurück. Morgens um sechs erreichen wir die Homebase
und müssen uns nun wohl oder übel verabschieden: von
den Nitrominds und von der Crew. Ein letztes “Do
Caralho” (das kann sowohl scheiße, aber eben auch
scheiße geil heißen…) – see
you next time in Germany & Brazil!
Dienstag, 02.09.08:
Und da sind wir wieder beim 02.09. auf
europäischem Boden. Wir
warten immer noch auf den Flieger nach Düsseldorf, der
inzwischen doch keine Verspätung mehr hat (oh la la
– Iberia!…). Inzwischen tun uns die Hintern und
Knochen vom vielen Warten und Sitzen weh und selbst mit der Ansage,
heute kein Bier zu trinken, machen wir nun bedenkenlos Ernst! Nach der
besten Tour und wahrscheinlich großartigsten Zeit, die wir je
hatten, sind wir jetzt ready für zuhause – obwohl:
es hätte aber auch noch ein paar Wochen so weiter gehen
dürfen. Next time…
„OBRIGADO“:
DANKESLISTE:
André aka „Nitroala“ aka
„Mutter der
Tour“ – Booking, Tourmanaging, taking care of all
business… ohne ihn hätte das Ganze gar nicht erst
stattgefunden!
Lalo & Edu (Nitrominds) – für Fahren, Feiern
etc.
Bianca – für Wohnung, Bett und Feierei
André’s Mutter – für das
leckere Essen
Mutra (merch), Piuih (Tech), Alex & Joel (Fahrer) –
unsere großartige Crew
Helena - für die vielen Fotos
Zonapunk.com.br, Punknet.com.br, myspace.com.br, MTV.com.br,
UPTV.com.br, CrashTV und alle anderen Medien, die uns
unterstützt
haben
alle Bands, mit denen wir gespielt haben
alle Veranstalter, die uns haben spielen lassen
alle, die gekommen sind, um uns spielen zu sehen & zu
hören
Metal Shop Santo André & Rattus Skate Shop Santo
André
Marcao & “Garage Bar”
Alyand Mielle (3’ Mundo & Dead Fish)
Daisy
Reh V
& alle, die wir vergessen haben
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